Online-Communities: So klappt es mit den Nachbarn
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Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Das fragten sich nicht nur Goethe, sondern auch die Initiatoren verschiedenster Online-Plattformen zum Thema Wohnen und Nachbarschaften. Zurzeit entstehen immer mehr neue „Communities“. Sie funktionieren, weil man sich online leichter näher kommt als real. Komisch, aber es ist so. Das belegt auch eine Studie, die das Hamburger Brand Science Institute durchgeführt hat: Menschen, die sich räumlich am nächsten sind, sprechen überhaupt nicht miteinander, die am weitesten entfernt leben, umso mehr. Dabei interessieren sie sich eigentlich am meisten für ihr direktes Umfeld und ihre Nachbarn. Nachbarschafts-Communities funktionieren als Medium und fördern die Kontaktaufnahme und das zwischenmenschliche Miteinander. Ob es darum geht, Hilfe bei der Wohnungseinrichtung zu bekommen oder ob man herausfinden will, wer denn in der unmittelbaren Nachbarschaft auch gerne Joggen geht – die Themen sind breit gestreut. Die in der Regel kosten- und werbefreien Portale, die man seit wenigen Monaten im Internet findet, wollen die Kommunikation fördern, Tipps transportieren und im besten Fall Nachbarschaftshilfe initiieren. Communities bieten glaubwürdige Informationen aus erster Hand. Die Nutzer wollen wissen, wie es sich wo lebt und nehmen gerne Empfehlungen, Meinungen und Tipps von denen auf, die es am besten wissen müssen: Den Nachbarn! Denen traut man natürlich mehr als dem Makler oder Vermieter. Und Nachbarn geben gerne Auskunft, zumindest virtuell. Sie bieten ihren Nutzern authentische und relevante Marktinformationen sowie eine starke soziale Gemeinschaft. Damit wären sie eigentlich ein ideales Instrument für Vermieter und Projektentwickler, oder? Erstaunlich ist nur, dass bisher nur Immoscout24 auf den Zug aufgesprungen ist und eine eigene Gemeinschaft betreibt. Aber sie waren ja auch die ersten, die Immobilien im Internet vermarktet haben, als Niemand daran glaubte. Früher plauderten die Nachbarn im Treppenhaus, heute – im Web2.0-Zeitalter – löst das Internet die Hemmschwellen. „Kennst du deinen Nachbarn schon?“, „Werde Auskenner für deine Stadt!“, oder „Wer kennt wen und woher kenne ich den?“ – so lauten einige Werbebotschaften. Viele Tools der neuen Communities entspringen dennoch dem wahren Leben. Es gibt beispielsweise Hausmeister, die Neulinge begrüßen, Umgebungskarten mit Restaurants, Standorten der Nachbarn oder Freundeslisten und „social points“. Schließlich sollen die Angebote das kennen lernen im realen Leben ja erleichtern. Mit Spannung können wir die weiteren Entwicklungen der Communities beobachten. Auch im Netz wachsen Nachbarschaften langsam, aber sie wachsen. Und genau darin liegen große Chancen für Projektentwickler, Objektvermarkter und Wohnungsgesellschaften. Denn Wohnwert und Objektqualität werden immer mehr von der “Software” beeinflusst.
Wem wird es gelingen, durch intelligente Inhalte und eine redaktionelle Betreuung ein ähnliches Erfolgsmodell wie StudiVZ oder Facebook dauerhaft am Markt zu platzieren? In den USA gibt es seit rund zehn Jahren Nachbarschafts-Communities, zu einer der bekanntesten gehört Mystreet.


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